Modell

Das Heiztankmodell

Fünf Zustandsgrößen, vier Bilanzen, ein Zeitschritt

Last updated: 13. August 2026

Der fachliche Kern der Arbeit ist die Herleitung des Modells. Nachgebildet wird ein Druckbehälter mit 0,5 m³, darin Wasser, darüber ein Kopfraum aus Dampf und Luft, geheizt mit bis zu 150 kW.

Heiztankmodell mit Systemgrenze, Wasserkörper, Dampfraum und Heizglied
Heiztankmodell mit Systemgrenze, Wasserkörper, Dampfraum und Heizglied

Was der Zustand enthält

5Zustandsgrößen
0,05 sSchrittweite
150 kWmaximale Heizleistung

Der Zustandsvektor führt Wassermasse, innere Energie des Wassers, Dampfmasse, Luftmasse und die aktuell wirkende Heizleistung. Alles Weitere wird daraus berechnet: die Temperatur aus Energie und Masse, der Druck aus den Partialdrücken von Dampf und Luft nach der idealen Gasgleichung.

Zustandsvektor und Energiebilanz je Zeitschritt
Zustandsvektor und Energiebilanz je Zeitschritt

Die Teilbilanzen

Die Wassermasse wächst über die Zulaufventile und sinkt über den Ablauf und die Verdampfung; der Ablaufstrom hängt von der Wurzel des Drucks ab. Die Energiebilanz addiert die Heizleistung und zieht Wärmeverlust und Verdampfungsenthalpie ab. Der Druck im Kopfraum folgt aus Dampf- und Luftmasse mit ihren Gaskonstanten.

Massenbilanz, Verdampfung und Druckberechnung nach Dalton
Massenbilanz, Verdampfung und Druckberechnung nach Dalton

Wann Wasser überhaupt verdampft, entscheidet der Sättigungsdruck nach Antoine. Er steigt mit der Temperatur steil an — bei 100 °C liegt er bei etwa 1,01 bar, die Alarmschwelle B4 bei 2,8 bar und das Sicherheitsventil bei 3,5 bar.

Sättigungsdruck über der Temperatur mit Alarmschwelle und Sicherheitsventil
Sättigungsdruck über der Temperatur mit Alarmschwelle und Sicherheitsventil

Warum die Heizung träge ist

Ein Heizglied wird nicht sprunghaft heiß. Modelliert wird es als Verzögerungsglied erster Ordnung mit einer Zeitkonstante von 12 s: nach einer Zeitkonstante 63,2 % des Endwerts, nach drei rund 95 %, nach fünf 99,3 %. Eine höhere Ordnung würde mehr Parameter verlangen, ohne dass es für den Zweck etwas brächte.

Sprungantwort des PT1-Heizglieds mit den Kennpunkten bei τ, 3τ und 5τ
Sprungantwort des PT1-Heizglieds mit den Kennpunkten bei τ, 3τ und 5τ

Vom Differentialgleichungssystem zum Takt

Die gekoppelten Gleichungen werden mit dem expliziten Euler-Verfahren diskretisiert: x(k+1) = x(k) + f(x(k), u(k)) · Δt mit Δt = 50 ms. Das ist das einfachste Verfahren, und genau das ist hier ein Vorteil: Es passt in einen festen Zyklus, ist Schritt für Schritt nachvollziehbar und lässt sich gegen die analytische Lösung prüfen.

Zusammenhang zwischen Zustandsvektor und Energiebilanz
Zusammenhang zwischen Zustandsvektor und Energiebilanz

Sensoren und Ventile

Aus dem Zustand entstehen digitale Melder: B1 meldet den oberen Füllstand ab 450 l, B2 den unteren ab 50 l, B3 die Temperatur ab 95 °C und B4 den Druck ab 2,8 bar. Gestellt wird über die Ventile Y1 bis Y4 und den Heizbefehl E1 — genau die Signale, die auch an der echten Platine anliegen würden.

Die laufende Simulation im Browser mit Ventilen, Meldern und Prozesswerten
Die laufende Simulation im Browser mit Ventilen, Meldern und Prozesswerten